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Fallstudie: Somatic Team Day im Technologieunternehmen – Resilienz in einer beruflichen Transformation

Die 17 Teilnehmenden befanden sich in einem internen Qualifizierungsprogramm eines international tätigen Technologieunternehmens mit >5.000 Mitarbeitenden weltweit. Ihre bisherigen Aufgaben und Teamstrukturen waren durch eine betriebliche Transformation weggefallen. Nun qualifizierten sie sich für neue Positionen innerhalb des Unternehmens. Die Stimmung gegenüber dem Unternehmen war verständlicherweise angespannt. Der Workshop selbst war als verpflichtend angesetzt. Die Gruppe begegnete mir offen, wenn auch zunächst abwartend und zurückhaltend.

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Schaubild zu Mental Health und Embodied Health vor Beginn des Workshops. Die Körpersilhouette wurde später für das gemeinsame Somatic Body Mapping genutzt.

Letzte Vorbereitungen kurz vor dem Workshop. Die Materialien sind vorbereitet, der Raum ist noch leer.

Der Seminarraum vor dem Umbau. Für die Übungen wurden die Stuhlreihen aufgelöst und eine freie Fläche geschaffen.

Die Ausgangslage

17 Personen • Technologieunternehmen • Somatic Team Day • 3 Stunden • Englisch und Deutsch • Resilienz • Transformation • Verpflichtender Workshop

In dieser speziellen Situation führte ich eine verkürzte Version des Somatic Team Days durch. Die meisten der 17 Teilnehmenden haben zuvor als Productowner oder UX Designer gearbeitet. Die berufliche Neuorientierung war für viele mit Unsicherheit und spürbarem Stress verbunden. Hinzu kamen zahlreiche verpflichtende Weiterbildungen in den vergangenen Tagen, die überwiegend frontal und theoretisch gestaltet waren. Entsprechend niedrig war zu Beginn die Energie im Raum. Nach kurzer Zeit beteiligten sich die Teilnehmenden erfreulicherweise offen an den aktiv gestalteten Übungen und brachten auch eigene Erfahrungen mit ein. Für fast alle Teilnehmenden war es der erste Workshop, der körperorientierte Elemente wie Wahrnehmungsübungen, Bewegung oder Atemübungen beinhaltete.

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Der Seminarraum vor dem Umbau. Für die Übungen wurden die Stuhlreihen aufgelöst und eine freie Fläche geschaffen.

Der Workshop sollte nicht über die Transformation hinwegtrösten oder diese durch Motivation schönreden. Er sollte die Mitarbeiter auffangen und etwas zurückgeben, das sie direkt beeinflussen konnten: den Umgang mit ihrer eigenen Betroffenheit und Resilenz in unsicheren Zeiten. Ziel war es, laut Briefing "die Mitarbeitenden mit einem leichteren Gefühl und bestenfalls mit einem Lächeln" aus dem Tag zu entlassen. Die entscheidenden Briefing-Fragen waren sehr praktisch: Woran merke ich, dass mein Stress steigt, und wie äußert sich dieser? Was passiert dann mit meiner Aufmerksamkeit und meinem Verhalten? Wie reagiert mein Körper auf Stress? Und was kann ich selber beeinflussen und tun, damit es mir besser geht?

So war das Format aufgebaut

Der Workshop orientierte sich an einer auf 3 Stunden gekürzten Version meines Somatic-Team-Day-Formats. Der Fokus wurde so von mir primär auf Stressbewältigung und weg vom Teambuilding verschoben. Im Mittelpunkt standen das eigene Nervensystem sowie die Erkundung der Begriffe: Resilienz, Kohärenz und Interozeption. Wir übersetzten sie gemeinsam in die erlebten Arbeitssituationen.


Gerade die Erfahrung von Kohärenz wurde dabei für die Teilnehmer sehr greifbar. Das Unternehmen erwartet beispielsweise Offenheit und Freude an neuen beruflichen Perspektiven von den Mitarbeitern. Gleichzeitig erlebten viele Teilnehmer Stillstand und Unsicherheit, was im starken Kontrast zur nötigen Motivation erlebt wurde. Diese Spannung offen benennen, spüren, teilen und im Körper auflösen zu können, war ein wichtiger Teil des Workshops.


Nach einem kurzen Opening Circle und einer Einstimmung sammelte die Gruppe zunächst ihr eigenes Wissen über Resilienz, Mental Health und das holistische Zusammenspiel mit dem Körper. Wir erkundeten verschiedene bereits bekannte Praktiken. Bei ersten leichten Warm-up-Übungen wie Power- und Loser-Posing wurde sichtbar, wie Haltung, Blick und Muskelspannung den inneren Zustand und die Wirkung verändern. Daran schloss ein kompakter Überblick zum autonomen Nervensystem und zum Vagusnerv an.


Es folgte eine bewegte Interozeptionsübung. Die Teilnehmenden gingen durch den Raum, begegneten einander, wechselten Tempo und Fokus und nahmen Unterschiede vor und nach der Bewegung in Form von angeleiteten Bodyscans wahr. Beim anschließenden Body Mapping markierten sie typische Spannungsbereiche auf einer Körpersilhouette und bekamen Tipps und Tricks für die am häufigsten genannten Symptome der Gruppe.


Zum Abschluss konnten die Teilnehmenden zwischen einer geführten Atemsequenz, Meditation oder einem Spaziergang als komplette Opt-out-Option wählen, um absolute Freiwilligkeit bei den Übungen sicherzustellen. Besonders erfreulich: 14 der 17 Teilnehmenden entschieden sich rasch, an den angeleiteten Entspannungsübungen teilzunehmen, statt den Workshop durch einen Opt-out-Spaziergang frühzeitig zu beenden. So entstand in kürzester Zeit ein kleiner Methodenkatalog. Jeder Mitarbeiter durfte fühlen, welche Methode sich tatsächlich stimmig und hilfreich anfühlen könnte.

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Schaubild zu Mental Health und Embodied Health vor Beginn des Workshops. Die Körpersilhouette wurde später für das gemeinsame Somatic Body Mapping genutzt.

Beobachtungen und Feedback der Teilnehmer

Folgendes Feedback durfte ich als Audio aufnehmen und verschriftlichen. Es ist zumeist aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Es handelt sich um ungekürztes, authentisches Momentfeedback aus dem Schlusskreis:


  • "Es war das, was ich mir gewünscht hatte. Nämlich keine Theorie, sondern anwendbare Praxis."

  • "Als Erstes: [Desiree], du bist wirklich authentisch, nicht gekünstelt. Manche Leute tragen einfach nur ihr Wissen professionell vor. So einen Workshop hatten wir neulich von [einem anderen Anbieter]. Das wirkte zwar professionell, war aber nicht so echt wie bei dir. Du bist nicht gekünstelt. Es fühlte sich heute ganz anders an [in diesem Format von dir]. Ich kann fühlen, dass es mir besser geht."

  • "Ich fühle mich auch total entspannt. Ich mochte es wirklich. Danke dir. Man merkt richtig, dass das deine Leidenschaft ist."

  • "Ich finde, es war ein sehr guter Workshop. Ich hatte nur Probleme, manchmal in die Übungen zu kommen, bevor sie schon wieder vorbei waren. Vielleicht ist das Feedback auch nicht an dich zu richten, du hast ja gesagt, normalerweise ist es anders. [Anmerkung: In diesem speziellen Fall wurde der Team Day von ~7 Stunden auf 3 Stunden eingekürzt]. Ich glaube, ich hätte mir mehr Zeit gewünscht."

  • "Ich habe viel gelernt. Zuallererst hat mir gefallen, dass du uns erklärt hast, warum das eine oder das andere [wissenschaftlich vertretbar] sinnvoll ist zu tun. So fühlte es sich weder manipulativ noch gesteuert an, und auch nicht so, als müssten wir irgendetwas Komisches machen. Ich hatte auch Angst, dass es esoterisch wird, aber das war es nicht. Die Fakten aus den Neurowissenschaften haben mir sehr geholfen, anzunehmen, was wir gemacht haben. Ich glaube, Embodiment ist eine Kunst, leicht zu verstehen und schwer zu meistern. Das Atmen hat mir zuerst sehr gefallen. Ich habe aber auch gerne gesprochen."

  • "Ich fühle mich entspannt, es war eine schöne und wertvolle Erfahrung."

  • "Zuallererst möchte ich mich ganz herzlich bei dir bedanken. Es war wirklich... um ehrlich zu sein, war es perfekt! Ich fahre jetzt nach Hause und das war, würde ich sagen, der erste wirklich wieder gute Tag [in der Firma], seit wir hier [in diesem internen Qualifizierungsprogramm] gelandet sind. Und du [Desiree] hast einen großen Anteil daran. Also vielen, vielen Dank!"

  • "Ich finde, es hatte genau die richtige Länge. Ich mag keine langatmigen Beschreibungen, deshalb habe ich das heute hier sehr geschätzt. Die Geh- und Bewegungsanteile haben mir gut gefallen."

  • "Ich fühle mich sehr entspannt. Die Atemübung hat mir am besten gefallen. Ich fühle mich jetzt so ruhig."

  • "[Ich war spazieren, denn...] Ich habe mich ja privat damit schon viel beschäftigt und im Bildungsurlaub war ich dann auch nochmal meditieren... Daher brauchte ich persönlich nicht schon wieder ein Resilienztraining. Aber es war ein neuer Denkanreiz und es war professionell."

  • "Ich war lieber [mit dem Teilnehmer davor] spazieren, weil ich das alles für mich nicht brauche. Aber ich fand auch, es wurde von dir ultraprofessionell rübergebracht."

  • "Vielen Dank. Ich habe diese schlechte Angewohnheit, den Kiefer zusammenzubeißen, und heute war ich [wegen etwas] so gestresst, dass ich schweißnasse Hände und zitternde Finger hatte. Und das ist jetzt weg. Es war sehr wirkungsvoll. Es ist wirklich verstörend für mich, mich [einer individuellen Problematik] zu stellen, die ich [gestern] erlebt habe, aber im Resilienzkurs haben wir die Angst verbessert. Ich habe mich ehrlich erleichtert gefühlt und ein Gefühl der Ruhe seither durch den Tag getragen. Es hat meinen Tag positiv beeinflusst [”It made my day"]."

  • "Ja, es ist für mich auch eine Erinnerung daran, dass ein einzelnes schlechtes Ereignis nicht deinen ganzen Tag bestimmen muss."

  • "Ich fand, es war ein sehr professionelles Training. Es war perfekt gemacht. Ich bin jetzt sehr entspannt. Es war gut, alle hier auch mal so zu sehen."

  • "Danke für den Kurs. Ich bin auch entspannt. Mir hat die Balance zwischen dem theoretischen Teil und den praktischen Übungen gefallen. Ich überlege jetzt, wie ich das in meinen Alltag integrieren kann."

  • "Es war eine sehr schöne Erfahrung, vielen Dank. Ich bin überzeugt, dass ich meine Resilienz stärken werde."

  • "Ich wüsste nicht, was ich noch hinzufügen könnte. Es wurde gefühlt schon alles gesagt. Es war schön. Es war gut. Vielen Dank, dass du heute mit uns auf diese Reise gegangen bist."

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Letzte Vorbereitungen kurz vor dem Workshop. Die Materialien sind vorbereitet, der Raum ist noch leer.

Fazit: Der Workshop veränderte natürlich nicht die äußere Situation der Transformation. Jedoch gab er den Teilnehmenden Begriffe und Werkzeuge, mit denen sie ihren Zustand bewusst erkennen und in belastenden Arbeitssituationen bewusster und resilienter handeln können.

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